Experimentelle Erfahrung: Eine wissenschaftstheoretische Studie über die Rolle des Experiments in der Begriffs- und Theoriebildung der Physik - Hardcover
by Holm Tetens (Author)
Es ist ein wissenschaftstheoretischer Gemeinplatz, da physikalisches Wissen in Experimenten gebildet und durch Experimente getestet wird. Um so auffälliger ist es daher, da sich die moderne Wissenschaftstheorie fast ausschlie lich mit den Problemen der quantifizierenden Begriffs- und der mathematisierenden Theoriebildung in der Physik befa t hat, während sie dem Experiment nicht die Aufmerksamkeit schenkte, die diesem Zentralaspekt physikalischer Wissensbildung seiner Bedeutung nach eigentlich zukommt. Dieses Defizit der modernen Wissenschaftsphilosophie möchte die vorliegende Studie beheben. Die wissenschaftstheoretisch vorherrschende Auffassung des Experiments lä t sich in der Formel "Experiment = theoriegeleitete Beobachtung" zusammenfassen. Dem setzt die Studie von Tetens eine Deutung des Experiments entgegen, wonach experimentelle Erfahrung ein Wissen ist, das an Apparaten durch technisch-intervenierendes Handeln gewonnen wird. Von diesem Ausgangspunkt aus gelingt es, zunächst einmal den Anschlu an das ursprünglich von G. H. von Wright entwickelte Konzept der experimentalistischen Kausalität zu finden, um dann die Theorie der "Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme" von Imre Lakatos wesentlich zu präzisieren und so weit fortzuführen, da zentrale formale Eigenschaften der mathematischen theoretischen Physik aus der Idee der experimentellen Erfahrung methodologisch hergeleitet werden können. Im Lichte dieser allgemein wissenschaftstheoretischen Erwägungen werden dann die klassische Mechanik und Elektrodynamik rekonstruiert und die Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie in neuartiger Weise interpretiert.